Drehmoment im Auto - Warum der Nm-Wert wirklich zählt

10. April 2026

Sportanzeigen im Auto zeigen Leistung (kW) und Drehmoment (Nm). Das Drehmoment ist bei etwa 150 Nm.

Inhaltsverzeichnis

Am Fahrzeug entscheidet beim Verschrauben selten das Bauchgefühl, sondern fast immer der richtige Nm-Wert. Wer Radschrauben, Zündkerzen, Sensoren oder Fahrwerksteile anzieht, braucht nicht nur Kraft, sondern das passende Anzugsmoment und das Verständnis dafür, warum Herstellerangaben so genau sind. Ich ordne die Begriffe ein, zeige typische Werte und erkläre, wie man sie in der Praxis sauber anwendet.

Die wichtigsten Punkte zum Drehmoment im Auto auf einen Blick

  • Im Fahrzeug meint Drehmoment je nach Kontext entweder das Motordrehmoment oder das Anzugsmoment einer Schraubverbindung.
  • Für Schrauben gilt: Zu wenig Drehmoment lockert Verbindungen, zu viel beschädigt Gewinde, Dichtflächen und Bauteile.
  • Bei Radschrauben helfen nur Herstellerangaben; bei Alufelgen liegen die Werte oft zwischen 110 und 140 Nm, bei Transportern teils höher.
  • Gewinde und Auflageflächen müssen sauber sein; normalerweise werden sie nicht geschmiert, wenn der Hersteller nichts anderes vorgibt.
  • Der Drehmomentschlüssel gehört für den Endanzug auf die Schraube, nicht der Schlagschrauber.
  • Bei Nm plus Winkelangabe zählt nicht nur das Drehmoment, sondern auch der zusätzliche Drehwinkel für die Klemmkraft.

Was mit Drehmoment im Auto gemeint ist

Ich trenne im Alltag zwei Dinge strikt voneinander: Motordrehmoment und Anzugsmoment. Das Motordrehmoment steht in den Fahrzeugdaten und beschreibt, wie viel Kraft der Motor an der Kurbelwelle aufbringt. Das Anzugsmoment dagegen ist die definierte Kraft, mit der eine Schraube oder Mutter festgezogen wird. Beides wird in Newtonmeter, kurz Nm, angegeben, meint aber etwas völlig anderes.

Für die Praxis ist das wichtig, weil dieselbe Zahl je nach Kontext ganz unterschiedliche Folgen hat. 250 Nm am Motor bedeuten Fahrbarkeit und Durchzug bei einer bestimmten Drehzahl, 250 Nm an einer Radschraube wären für viele Pkw schon viel zu hoch. In technischen Daten ist außerdem immer die Drehzahl mitgemeint: Ein Drehmomentwert ohne U/min ist nur die halbe Information. Genau deshalb lese ich Motordaten nie isoliert, sondern immer als Kurve oder zusammen mit dem nutzbaren Drehzahlbereich.

Die Faustidee dahinter ist einfach: Drehmoment entsteht aus Kraft mal Hebelarm. Mit einem längeren Hebel brauche ich weniger Kraft, um denselben Nm-Wert zu erreichen. Das erklärt auch, warum ein 50-Zentimeter-Schlüssel bei 100 Nm ungefähr einer Kraft von 200 Newton am Griff entspricht. Wer diese Größenordnung einmal verstanden hat, beurteilt Schraubverbindungen deutlich realistischer. Und damit landet man schnell bei der Frage, warum das richtige Festziehen so entscheidend ist.

Warum das richtige Anzugsmoment über Halt und Sicherheit entscheidet

Zu wenig Drehmoment ist ebenso problematisch wie zu viel. Ist eine Verbindung zu locker, sinkt die Klemmkraft, die Teile arbeiten gegeneinander und Schrauben können sich lösen. Bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Rädern, Bremsen oder Fahrwerkskomponenten ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein echtes Risiko.

Zu viel Drehmoment ist oft noch teurer. Dann werden Gewinde überlastet, Dichtungen gequetscht, Auflageflächen verformt oder Schrauben selbst überdehnt. Bei Radschrauben kann das im Extremfall zu beschädigten Felgen oder ausgerissenen Gewinden führen. Der ADAC weist beim Radwechsel deshalb zu Recht darauf hin, dass die Gewinde sauber und frei von Rost sein müssen und die Schrauben über Kreuz mit dem vorgeschriebenen Drehmoment angezogen werden sollten.

Ich sehe in der Praxis immer wieder denselben Denkfehler: „Fest“ fühlt sich zuverlässig an, ist aber kein Messwert. Genau dort trennt sich ordentliche Montage von bloßem Anziehen. Wer den Zusammenhang zwischen Klemmkraft und Drehmoment verstanden hat, arbeitet ruhiger und macht weniger teure Fehler. Als Nächstes lohnt sich der Blick auf die Bauteile, bei denen ich besonders sorgfältig bin.

Welche Bauteile besonders empfindlich reagieren

Nicht jede Schraube im Auto verlangt dieselbe Aufmerksamkeit, aber einige Verbindungen verzeihen keine Improvisation. Bei diesen Bereichen arbeite ich grundsätzlich nach Herstellervorgabe und nie nach Gefühl.

Bauteil Praxiswert oder Orientierung Worauf ich achte
Radschrauben und Radmuttern Bei Alufelgen meist etwa 110 bis 140 Nm, bei vielen Pkw insgesamt oft im Bereich von 80 bis 160 Nm; Transporter liegen teils darüber Kreuzweise anziehen, saubere Anlageflächen, kein Raten beim Endwert
Zündkerzen Bosch nennt als Beispiel 23 Nm Gewinde trocken und sauber, erst von Hand einschrauben, dann mit Drehmomentschlüssel anziehen
Lambdasonde und ähnliche Sensoren Immer herstellerspezifisch Kein unnötiges Fett, keine Gewalt, empfindliche Bauteile nicht verkanten
Ölablassschraube Je nach Motor und Ölwanne stark unterschiedlich Dichtung prüfen, Gewinde nicht überziehen, Gewinde in der Ölwanne besonders schonen
Bremssattel- und Fahrwerksschrauben Oft Nm plus Drehwinkel, abhängig von Baureihe und Bauteil Service-Daten lesen, Schrauben nicht wiederverwenden, wenn Dehnschrauben vorgeschrieben sind

Die Zahlen für Räder sind nur eine Orientierung, kein Freibrief. Bei anderen Komponenten gilt noch stärker: Das richtige Maß steht nicht im Bauchgefühl, sondern in den Fahrzeuginformationen. Bosch beschreibt für Zündkerzen zum Beispiel ausdrücklich, dass das vorgegebene, typspezifische Drehmoment einzuhalten ist und das Gewinde nicht gefettet oder geölt werden soll. Genau so arbeite ich auch bei anderen sensiblen Verschraubungen weiter. Der nächste Schritt ist deshalb die saubere Umsetzung.

Wie ich die richtige Vorgabe finde und sauber umsetze

Wenn ich eine Verschraubung korrekt anziehen will, gehe ich immer in derselben Reihenfolge vor. Das spart Zeit und reduziert Fehler.

  1. Ich suche zuerst die exakte Vorgabe in Betriebsanleitung, Werkstattunterlagen oder Service-Daten.
  2. Ich prüfe, ob die Angabe für trockene oder geschmierte Gewinde gilt.
  3. Ich reinige Gewinde und Auflageflächen, wenn das Bauteil das zulässt.
  4. Ich ziehe die Schrauben zunächst handfest an und arbeite bei mehreren Befestigungspunkten über Kreuz.
  5. Ich nutze den Drehmomentschlüssel nur für den Endanzug und nicht zum Lösen.
  6. Wenn Nm plus Winkel gefordert sind, stelle ich zuerst den Nm-Wert ein und ergänze danach den Drehwinkel.

Der Reihenfolgepunkt ist wichtiger, als viele denken. Bei Rädern verteilt das Kreuzmuster die Last gleichmäßig, bei Deckeln, Flanschen oder Bremsteilen verhindert es Verspannungen. Gerade bei Radwechseln achte ich zusätzlich auf einen sauberen Sitz der Felge auf der Nabe und auf das richtige Werkzeug für das jeweilige Rad. Wer hier sauber arbeitet, muss später weniger korrigieren. Und genau an dieser Stelle passieren die typischen Fehler.

Typische Fehler, die ich in der Praxis immer wieder sehe

Die meisten Pannen entstehen nicht durch komplizierte Technik, sondern durch schlecht gemachte Routine. Das sind die Fehler, die ich am häufigsten sehe:

  • Der Endanzug erfolgt „nach Gefühl“ statt mit Messwert.
  • Ein langer Rohrhebel wird auf den Drehmomentschlüssel gesetzt, obwohl das Ergebnis dann nicht mehr stimmt.
  • Gewinde werden gefettet, obwohl die Vorgabe trockene Montage verlangt.
  • Radschrauben werden in falscher Reihenfolge angezogen, sodass die Felge verspannt sitzt.
  • Dehnschrauben werden erneut verwendet, obwohl sie laut Vorgabe ersetzt werden müssen.
  • Der Drehmomentschlüssel dient als normales Ratschenwerkzeug und wird dadurch unnötig belastet.

Besonders kritisch finde ich das Ignorieren von Schrauben, die nur einmal verwendet werden dürfen. Solche Bauteile sind nicht zum Sparen gedacht, sondern Teil des technischen Konzepts. Wenn ich die Vorgabe nicht einhalte, verschiebe ich das Problem nur in die nächste Reparatur oder direkt in einen Defekt. Noch wichtiger wird das bei Verbindungen, die nicht nur mit Nm, sondern zusätzlich mit Winkel angezogen werden.

Winkelanzug und Dehnschrauben sind kein Nebenthema

Bei manchen Verbindungen reicht ein reiner Nm-Wert nicht aus, weil die Klemmkraft zu stark von Reibung, Gewindezustand oder Materialverhalten abhängt. Dann steht in der Vorgabe nicht nur ein Drehmoment, sondern zum Beispiel Nm plus Grad. Erst wird bis zu einem Basiswert angezogen, danach folgt ein definierter Drehwinkel. Das Ziel ist eine gleichmäßigere Vorspannung, also die Klemmkraft, die die Teile zusammenhält.

Genau hier wird sichtbar, warum Drehmoment nicht automatisch gleich Klemmkraft ist. Zwei Schrauben können bei demselben Nm-Wert am Ende unterschiedlich stark klemmen, wenn Reibung oder Gewindezustand abweichen. Deshalb sind Drehmoment und Drehwinkel zusammen oft die robustere Lösung. Bei vielen Zylinderkopf-, Achs- oder Strukturverbindungen ist das Standard. Ich behandle solche Angaben immer als klare Ansage, nicht als Empfehlung mit Spielraum.

Dehnschrauben gehören in dieselbe Kategorie. Sie werden bewusst elastisch oder sogar plastisch gedehnt und deshalb häufig ersetzt. Wer sie wiederverwendet, riskiert eine unzuverlässige Verbindung, selbst wenn der Nm-Wert auf dem Papier stimmt. Damit ist der Weg frei für den letzten praktischen Punkt: Wie ich Zahlen im Fahrzeugdatenblatt richtig einordne.

Worauf ich bei Nm-Angaben in Fahrzeugdaten sofort achte

Eine Nm-Zahl ist nur dann wirklich hilfreich, wenn sie sauber eingeordnet wird. Bei Motoren prüfe ich immer die Drehzahl, bei Schraubverbindungen das Bauteil, die Schraubengröße, das Material und die Montagevorschrift. Erst diese Kombination sagt mir, ob ein Wert normal, kritisch oder speziell ist.

Ein Beispiel macht das greifbar: 100 Nm sind nicht „einfach viel“ oder „einfach wenig“. Mit einem 50-Zentimeter-Schlüssel entspricht das ungefähr 200 Newton Handkraft, also grob dem Druck eines 20-Kilo-Gewichts am Griff. Das ist für viele deutlich spürbar, aber eben kontrollierbar. Genau deshalb ist ein Drehmomentschlüssel sinnvoller als reine Muskelkraft.

Wenn ich am Auto arbeite, notiere ich mir am Ende nicht nur den Nm-Wert, sondern auch die Zusatzangaben: trocken oder geschmiert, Kreuzmuster oder Reihenfolge, Nm oder Nm plus Winkel, neue oder wiederverwendbare Schraube. Diese kleinen Details entscheiden in der Praxis oft mehr als die Zahl allein. Wer so arbeitet, versteht Fahrzeugdaten besser und verschraubt sicherer.

Am Ende geht es bei Drehmomenten im Auto immer um denselben Grundsatz: passend messen statt grob festziehen. Wer die Begriffe sauber trennt, die Vorgaben des Herstellers ernst nimmt und den Drehmomentschlüssel richtig einsetzt, spart Material, Zeit und Ärger. Für mich ist genau das der Unterschied zwischen einer schnellen Reparatur und einer dauerhaft sauberen Arbeit.

Häufig gestellte Fragen

Motordrehmoment beschreibt die Kraft des Motors an der Kurbelwelle (z.B. 250 Nm Fahrleistung). Anzugsmoment ist die definierte Kraft, mit der eine Schraube festgezogen wird (z.B. 120 Nm an einer Radschraube). Beide werden in Newtonmeter (Nm) angegeben, meinen aber völlig unterschiedliche Dinge.

Zu wenig Drehmoment kann Schrauben lösen und zu Sicherheitsrisiken führen. Zu viel Drehmoment beschädigt Gewinde, Dichtungen oder Bauteile. Das korrekte Anzugsmoment gewährleistet die Klemmkraft und somit die Sicherheit und Langlebigkeit der Verbindung.

Besonders empfindlich sind Radschrauben, Zündkerzen, Lambdasonden, Ölablassschrauben und Fahrwerksschrauben. Hier sollte man immer die Herstellervorgaben beachten, um Schäden oder Sicherheitsrisiken zu vermeiden.

Nein, ein Schlagschrauber ist für den Endanzug nicht geeignet. Er liefert keine präzisen Drehmomentwerte. Für den finalen Anzug sollte immer ein kalibrierter Drehmomentschlüssel verwendet werden, um das vorgeschriebene Anzugsmoment exakt einzuhalten.

"Nm plus Winkel" bedeutet, dass die Schraube zuerst mit einem bestimmten Drehmoment (Nm) angezogen und danach um einen zusätzlichen Winkel weitergedreht wird. Dies sorgt für eine gleichmäßigere und präzisere Vorspannung, insbesondere bei Dehnschrauben, die sich elastisch oder plastisch verformen.

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Heiko Born

Heiko Born

Nazywam się Heiko Born i od 15 lat zajmuję się KFZ Technik, Wartung und Diagnose. Moja pasja do motoryzacji zaczęła się w dzieciństwie, kiedy spędzałem godziny w warsztacie mojego ojca, obserwując, jak naprawia samochody. Z czasem zrozumiałem, jak ważna jest regularna konserwacja i diagnostyka pojazdów, aby zapewnić ich bezpieczeństwo i niezawodność. W swoich tekstach staram się przybliżyć czytelnikom nie tylko aspekty techniczne, ale również praktyczne porady dotyczące utrzymania samochodu w dobrym stanie. Interesuje mnie, jak nowoczesne technologie wpływają na diagnostykę i jak można je wykorzystać, aby ułatwić życie kierowcom. Chcę, aby moje artykuły były źródłem rzetelnych informacji, które pomogą innym lepiej zrozumieć świat motoryzacji.

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